Das Leben im Frauenhaus



Der Aufenthalt im Frauenhaus ist kostenlos! Falls Frauen über kein eigenes Einkommen verfügen, stehen ihnen in der Regel Sozialleistungen, wie z.B. ALG II (Hartz IV), zu. Bei der Antragstellung auf Sozialleistungen können die Mitarbeiterinnen unterstützen.

Mütter und ihre Kinder bekommen nach Möglichkeit ein eigenes Zimmer. Frauen ohne Kinder müssen sich ein Zimmer mit anderen Frauen teilen. Küchen, Bäder, Wohnzimmer und andere Gemeinschaftsräume werden von allen Bewohnerinnen des Frauenhauses gemeinsam genutzt.


Im Haus befinden sich auch Büro- und Beratungsräume, in denen die Mitarbeiterinnen Beratung und Unterstützung für die weitere Lebensorganisation und -planung anbieten. 

Damit neue Bewohnerinnen sich im Haus schnell zurechtfinden, haben wir eine Hausordnung erarbeitet. Darin sind auch die Grundprinzipien des Zusammenlebens verankert:

 

  • Das Leben im Frauenhaus ist gewaltfrei. Das bedeutet, dass auch bei Konflikten keine Gewalt gegen sich selbst, gegen andere Frauen oder gegen die Kinder angewandt werden darf.
  • Das Leben im Haus ist alkohol- und drogenfrei. Frauen mit einer Suchtproblematik erhalten mit unserer Hilfe Vermittlung in eine spezialisierte Beratungsstelle oder Klinik, damit sie während oder nach einer Behandlung (Entgiftung, Therapie, Beratung) suchtfrei im Haus leben können.


Das Frauenhaus ist eine Selbsthilfeeinrichtung und hat keinen Heimcharakter mit „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“. Die Bewohnerinnen des Frauenhauses versorgen sich und ihre Kinder selbst und gestalten ihren Alltag eigenständig. Es ist ihnen selbstverständlich gestattet jederzeit das Frauenhaus zu verlassen.


Außerdem übernimmt jede Bewohnerin bestimmte Aufgaben für die Hausgemeinschaft, z.B. Telefondienste in der Nacht und an den Wochenenden (außerhalb der Bürozeiten) und die  Reinigung der Gemeinschaftsräume. Die Verteilung der Dienste und das Zusammenleben im Haus wird in regelmäßig stattfindenden Hausversammlungen organisiert.


Es gibt keine gemeinsamen und verbindlichen Essenszeiten, sondern jede Frau kocht für sich und ihre Kinder. Es ist aber natürlich möglich, mit anderen Frauen gemeinsam zu kochen, zu wirtschaften und die Freizeit zu gestalten.

Die Zielgruppe des Frauenhauses besteht aus Frauen und Kindern unterschiedlicher Glaubensrichtungen, die verschiedene Sprachen sprechen, sich durch Alter oder gesundheitliche Verfassung unterscheiden, über verschiedene Bildungsniveaus, Aufenthaltsstatus und finanzielle oder soziale Ressourcen verfügen. Zudem begegnen sich hier Frauen mit verschiedenen Erziehungsstilen, Konzepten von Geschlechterrollen etc.


Die gemeinschaftsorientierte Raumgestaltung des Frauenhauses erfordert Toleranz und Verständnis für andere Lebensentwürfe. Auf der anderen Seite bietet sie den Frauen leicht die Möglichkeit mit anderen Frauen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Oft entstehen aus der gemeinsamen Betroffenheit Solidarität und Freundschaft – auch über den Frauenhausaufenthalt hinaus.